• Susanne Heinen

Was ein Puzzle und Counseling gemeinsam haben...



Schon als Kind habe ich gerne gepuzzelt. Es war so spannend, ein neues Puzzle in den Händen zu halten, denn schließlich waren die Zeiten von digitalem, technischem Spielzeug, dem Überfluss an Spielwaren überhaupt, noch in weiter Ferne:-). Das Knistern und Rascheln der Teile in der Folie hat mir so gefallen hat, dass ich die Schachtel vor dem Öffnen immer zuerst geschüttelt habe. Ein Puzzle zu machen, das war meine Lieblingsbeschäftigung an Regentagen und im Winter, wenn ich einmal nicht draußen spielen konnte. Warum das Puzzeln heute noch ein Hobby von mir ist, wie ich es verloren und wiedergefunden habe, darum geht es in diesem Artikel.



Wie alles begann...


In meiner Kindheit gab es nur Puzzle mit relativ einfachen Motiven. Anfang der 80er Jahre war die Drucktechnik bei weitem noch nicht so ausgereift, wie das bei den heutigen aufwendigen Puzzles der Fall ist. Ich kann mich noch gut an plakative Bauernhoftiere, das Leben in der Stadt oder Einkaufen im Supermarkt erinnern. Es gab auch nicht so große Variationen bei der Anzahl der Teile. Die meisten Kinderpuzzle hatten nur zwischen 100 und 300 Teile und somit stand einem Erfolgserlebnis, das Puzzle zu schaffen, nichts im Weg:-).


Meine ganze Grundschulzeit haben mich Puzzle begleitet. In der heutigen Zeit kaum vorstellbar, als Kind Beschäftigungen ohne Technik zu haben:-). An mein erstes Puzzle kann ich mich leider nicht mehr erinnern, aber später waren Puzzle mit Sarah Kay und Katzen in allen Variationen bei mir der "Renner". (Sarah Kay war in den 70er/80er Jahren das Mädchenthema:-)). Doch irgendwann wurde auch ich älter, die Jugend stand vor der Tür und andere Interessen traten in den Vordergrund.

Das Puzzle und ich, eine Liebe mit Freiraum...


Ich muss gestehen, dass es dann eine sehr lange Pause gab, wo es gar keinen Gedanken an ein Puzzle gegeben hat. Die lange Pause hat fast 25 Jahre gedauert und endete, als meine Tochter ins „Puzzle-Alter“ kam. Mit großen Augen ging ich 2010 durch die Spielwarengeschäfte und war fast erschlagen von der unfassbar großen Anzahl und den unterschiedlichen Puzzles für jedes Alter.



So haben meine Tochter und ich uns langsam hochgearbeitet:-). Von den ganz leichten Rahmenpuzzles zu den kleinen Puzzles mit 25 Teilen und dann schon immer mutiger von 50 bis zu 100 Teilen als XXL Puzzle. Ein Graus waren für uns die Würfelpuzzle mit 24 Teilen aus denen man 6 Motive zusammenstellen konnte. Irgendwie hatten wir da kein Auge dafür:-).




Wir hatten viel Spaß dabei, denn meistens war das eine Beschäftigung für uns beide zusammen. Wie schön war das, nebeneinander auf der Eckbank zu sitzen, damit jeder einem guten Blick auf das Motiv hatte, die Schachtel daneben und meistens ein schöner Tee dazu. Viele Jahre haben wir bei schlechten Wetter oder im Winter zusammen gepuzzelt und als wir bei 250, 500, sogar 1000 Teilen angekommen, alle Einhörner, Meerestiere und Elfen gepuzzelt waren, da wurden für meine Tochter andere Dinge spannender. Jetzt als Jugendliche hat sie auch kein so großes Interesse an einem Puzzle:-). Ich habe für mich jedoch durch diese Zeit meine alte Liebe wiederentdeckt und bin seitdem im Puzzlefieber.



Puzzle: mein neues, altes Hobby

Nachdem mich das Puzzeln nicht mehr losgelassen hat, habe ich jetzt, ähnlich wie für einen Sport:-), eine richtige Ausrüstung. Nicht, dass es unbedingt nötig wäre, aber es macht mir einfach Spaß, mein Hobby auch ein bisschen zu zelebrieren. Für den erwachsenen Puzzlefreund gibt es eine großes Angebot von mehr oder weniger notwendigem Equipment. Ich habe folgendes im Einsatz:


  • eine Schneidmatte, zweckentfremdet als feste Unterlage, wenn das Puzzle liegenbleiben kann

  • eine Puzzle-Rollmatte, wenn das Puzzle nicht liegenbleiben kann

  • mehrere Puzzle-Sortier-Schalen, stapelbar

Volle Konzentration:-)

Denn eines kann ich beim Puzzeln gar nicht leiden: wenn mir alles auseinanderfällt, weil ich den Platz für etwas anderes brauche oder mir mühevoll vorsortierte Teile wieder durcheinander gemischt werden. Das alles kann ich durch die stabile Unterlage oder die Rollmatte umgehen. Auch die Teile sind platzsparend schnell aufgeräumt.


Was die Motive angeht, habe ich keine festen Vorlieben. Ich finde meist abseits des Puzzle-Mainstreams in kleinen Shops die spezielleren Motive. Dort gibt es Puzzle aus der ganzen Welt und die Auswahl ist riesig.

Ich kaufe auch aus Prinzip nicht auf Vorrat, lieber suche ich mir nach Laune und Interesse spontan ein neues Puzzle aus. Dennoch ist es so, dass ich meist einen "kleinen Überhang" habe, weil ich ab und an auch ein Puzzle geschenkt bekomme:-).



Puzzle und artCounseling: kreativ und meditativ


Jetzt sehe ich es als meine persönliche Ruhezeit, an einem Puzzle zu arbeiten. Es ist einfach Entspannung für mich, still dazusitzen, Teile zu sortieren und mich zu freuen, wenn etwas zusammengehört und ich das Motiv immer mehr erkennen kann. Die Gedanken und der Kopf werden völlig frei, auch wenn viel Konzentration benötigt wird.


Diese Geduld und auch die Ausdauer, darauf warten zu können, dass etwas zutage tritt, hilft mir auch bei meiner Arbeit im artCounseling. Denn nicht immer liegen die Stolpersteine oder Probleme obenauf. Auch hier muss Puzzleteile für Puzzleteil zusammengesetzt werden und manchmal entsteht dann sogar ein völlig neues Bild. Die Langsamkeit des Prozesses zulassen zu können, Impulse im künstlerischen Arbeiten nachwirken zu lassen, Zeit und Raum zu schaffen, sich zu sortieren, das ist ein wichtiger Bestandteil für eine fruchtbare Zusammenarbeit.


Oft ist es so, dass das Bewusstwerden über die Beschaffenheit eines einzigen, kleinen Puzzlestücks, der Schlüssel dafür ist, mit sich selbst wieder in einen inneren Dialog, in eine spürbare Resonanz zu kommen.



Puzzle halten fit und jung:-)


Unabhängig davon, dass ich Puzzle einfach zum Spaß mache, ist natürlich auch das gute Training für das Gehirn, die Gedächtnisleistung zu erwähnen. Es gibt zahlreiche Studien darüber, wie positiv sich das Puzzeln auf die Feinmotorik und die Konzentration auswirkt. Kognitive Fähigkeiten, wie z.B. das Kurz- und Langzeitgedächtnis oder die visuelle Wahrnehmung werden durch die Beschäftigung mit den kleinen Puzzleteilen beansprucht.



Es gibt sogar spezielle Puzzle, die besonders für an Demenz erkrankte Patienten geeignet sind. Mit ihren großen Formen und wenigen Teilen sollen Erinnerungen an Alltagssituationen geweckt werden, um miteinander ins Gespräch zu kommen. "Piecing together" heißt diese Art des Therapie-Puzzles einer englischen Firma.


Puzzeln führt Jung und Alt zusammen:-)

Zum Abschluss möchte ich noch unbedingt als besondere Puzzlegattung das Weihnachtspuzzle erwähnen:-). Diese Tradition habe ich letztes Jahr in der Adventszeit bei uns eingeführt und wir haben als Familie mehrere Weihnachtsmotive miteinander gepuzzelt.




Vielleicht habe ich dich ja neugierig gemacht und du hast Lust bekommen, dir auch einmal wieder ein Puzzle zu kaufen. Ich würde mich freuen, wenn du mir dann deine Erfahrungen schreibst. Viel Spaß...




Hier noch ein Puzzle-Witz:-):

Da stand auf dem Puzzle 3-4 Jahre. Ha, ich habe es in drei Monaten geschafft.



Hier findest Du noch weitere Informationen zu dem Effekt des Puzzelns oder der Studie von Ravensburger.


Allgemeine Informationen zum Puzzle findest Du hier.


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