• Susanne Heinen

3 Fragen, die ich zu meiner Arbeit im Bereich artCounseling nicht mag



Im Beitragsbild ist es etwas überspitzt dargestellt, doch im Alltag stehen mir oftmals Menschen mit großen Fragezeichen im Gesicht gegenüber, die mit dem Begriff artCounseling einfach nichts anfangen können. Mich immer wieder aufs Neue erklären zu müssen, ist zeitraubend und mühsam. Zum Glück kann ich sagen, dass mich an meiner Arbeit nicht die Tätigkeit an sich nervt, ganz im Gegenteil, da bin ich voller Elan und Freude dabei. Es sind eher die äußeren Randerscheinungen, die es mir oft schwermachen, ohne große Erklärungen zu arbeiten. Dabei kristallisieren sich immer die gleichen drei Themen heraus, die 3 W´s: Was, wie und warum. Oft wünsche ich mir, eine Berufsbezeichnung zu haben, wo sofort der Aha-Moment da ist...z.B. Zirkusdirektor, Astronaut, Virologe...



1. WAS? "Counseling, Counselor, Du bist im Verkauf, oder?"


Zu Beginn meines Zusatzstudiums im Bereich Kunst- und Gestaltungstherapie stand der Begriff „Counseling“ gar nicht so im Vordergrund. Erst im Laufe der Zeit traten immer mehr die Hürden zutage, was den Begriff angeht. Diese Berufsbezeichnung „Counselor“ klingt so fremd im deutschsprachigen Raum, dass man leider Schwierigkeiten hat, sein Angebot überhaupt begreiflich zu machen. Die Bedeutung wird von Anderen lediglich geraten, leider meist falsch und ich lande im Verkauf, in den abenteuerlichsten Positionen irgendwo zwischen Groß- und Einzelhandel. Das englische Wort "sell" wird immer als erstes assoziiert.





Nach meinem ersten Abschluss im Jahr 2020 habe ich ein Zertifikat als Assistant Counselor Fachrichtung Kunst- und Gestaltungstherapie erhalten. Was für eine sperrige Bezeichnung. Langsam wurde mir klar, dass ohne fundierte Aufklärung, was meine Arbeit überhaupt bedeutet, auch keine freiberufliche Tätigkeit möglich ist.


Live und in Präsenz bei lokal angebotenen Kursen gestaltet es sich oft weniger problematisch. Erstens übernimmt meist ein Träger (Institut, Akademie, VHS,...) die Kommunikation nach außen und zweitens ist die Hemmschwelle von Interessierten nicht da, kurzerhand einfach einmal dort nachzufragen. Hier kann man im persönlichen Gespräch relativ gut vermitteln, was Arbeitsweise und Ziel des Counselings mit Schwerpunkt Kunst- und Gestaltungstherapie eigentlich ist. Dennoch wurde mir mit dem Fortschreiten der Monate (mit Lockdown 1 und dem noch länger dauernden Lockdown 2) immer deutlicher, dass in jedem Fall eine Onlinepräsenz nötig ist, eine Webseite, wo man sich in Ruhe über meine Arbeit und die Methoden informieren kann.


Wer bin ich? Errate den Beruf...

In den letzten Monaten fand dann ein Wandel in der Bezeichnung von Seiten des Berufsverbands statt. "artCounseling" soll nun besser beschreiben, um was es eigentlich geht. Mit diesem Begriff bin ich jetzt glücklicher, weil zumindest "art" schon das Künstlerische mit ins Boot holt und der Begriff „Therapie“ wegfällt. Ansonsten bleibt leider alles beim Alten, was die Selbsterklärbarkeit des Berufsfeldes angeht. Neue Variante: jetzt bin ich zumindest im Verkauf in der Kunst tätig, Galeristin, Kunstsammlerin, Auktionshaus, alles wurde schon gemutmaßt:-).



Deswegen habe ich mir jetzt als Ziel gesetzt, das artCounseling bekannt zu machen und den Begriff offensiv zu nutzen. Eine Pionierarbeit:-)!



2. WIE? "Ich kann aber doch gar nicht malen!"


Ein wirklich großes Thema bei meiner Arbeit ist die kreative und künstlerische Auseinandersetzung mit Lebensthemen. Dafür ist überhaupt kein Talent nötig, keine gute Note in Kunst von früher aus dem Kunstunterricht, keine private Beschäftigung mit zeichnen, malen, basteln oder gestalten als Hobby. Es wird auch niemandem etwas aufgezwungen. Es ist eher so, dass ein reichhaltiges Angebot an künstlerischen und kreativen Mitteln angeboten wird und sich aus diesem Reichtum alles herausgepickt werden kann, was einen interessiert.


Die kreative Arbeit unterstützt das Gespräch, erleichtert die Kommunikation und dient als Unterstützung, um ins Tun zu kommen. Durch meine bereits 20-jährige Erfahrung als Textildesignerin kann ich auf so viele künstlerische Mittel und Lösungen zurückgreifen, dass sicherlich für jeden ein passendes "kreatives Werkzeug" gefunden werden kann. Das einzig Wichtige ist die Offenheit und Bereitschaft auch neue Wege zu gehen und sich nicht hinter einem "ich kann doch gar nicht malen" zu verstecken. Lebensthemen kreativ zu lösen, das ist das Ziel.


"Ich kann doch gar nicht malen"...Keine Angst vor kreativer Gestaltung

3. WARUM? "Therapie brauche ich aber keine!"


Große Scheu bemerke ich auch bei dem Wort „Therapie“, das im Wort Kunst- und Gestaltungstherapie steckt. Leider ist es oft noch immer in den Köpfen, dass es ein Makel ist, sich bei persönlichen Problemstellungen Hilfe zu holen. Zum Physiotherapeuten wird noch gerne gegangen, da geht es um verspannte Rücken, ausgerenkte Wirbel. Das kann man auch ohne Scheu jedem erzählen, ist ja „nur“ der Körper. Wenn nun aber die Seele verspannt ist, der Lebensweg ausgerenkt, das möchten viele nicht nach außen kommunizieren oder es sich vielleicht auch lange nicht eingestehen.


Dabei möchte ich das Counseling im Bereich Kunst- und Gestaltungstherapie eher als Prävention sehen, bevor es in die Richtung einer psychotherapeutischen Behandlung geht. Ähnlich einem Fitnessstudio, in das man geht, um Verspannungen, Fehlhaltungen auszuräumen oder zu verbessern, bevor die Gesundheit leidet und man beim Physiotherapeuten und Orthopäden landet.


  • Counselor versuchen Hilfestellung zu geben, bevor sich deine Probleme und Sorgen manifestieren.

  • Counselor geben Hilfe zur Selbsthilfe, da sie dir Zugang zu den eigenen Ressourcen ermöglichen.

  • Counselor geben beratend Denkanstöße und eröffnen neue Perspektiven, um gemeinsam die bereits in dir versteckte Lösung zu finden.

Eine Fülle von Möglichkeiten steckt in kreativer Arbeit

Weitere Informationen zum Thema artCounseling findest du unter der Rubrik artCounseling hier in meinem Blog.

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