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Positive Psychologie: Gute Laune gibt es nicht auf Knopfdruck

Aktualisiert: vor 1 Tag


Person mit buntem Regenschirm unter dunklen Regenwolken als Symbol für schlechte Laune und inneren Schutz.

Wenn ich in diesem Artikel im April 2026 über gute Laune schreibe, kommt mir das selbst fast ein wenig fremd vor. Schon seit Jahren taumelt die Welt von einer Krise in die nächste. Beängstigende Nachrichten sind längst zur Normalität geworden. Diese andauernde Konfrontation mit Krisen, Krieg und Unsicherheit neben unseren ganz persönlichen Sorgen, die jede und jeder zu tragen hat, macht etwas mit uns. Und genau deshalb schreibe ich diesen Artikel: weil gute Laune kein Luxus ist, sondern vielleicht wichtiger denn je.


Darum möchte ich dir heute eine Frage mitbringen: Wie geht es eigentlich dir? Und was brauchst du, um inmitten all dem gut gelaunt, oder zumindest ein bisschen leichter, durch den Tag zu gehen?


Dieser Blogartikel führt meine Überlegungen vom Montagsfunkeln „Gute Laune“ fort.

Er beschäftigt sich mit den Hintergründen der guten Laune und (vor allem 😊) mit Strategien im Umgang mit der schlechten Laune anderer. Es gibt Tipps, wie man am besten bei sich selbst anfangen kann, und auch der „Gute-Laune-Zwang“ wird durchleuchtet.


Da das Thema sehr umfangreich ist, entstehen noch drei weitere Artikel dazu, die hier zum Weiterlesen verlinkt werden, sobald sie online sind.


Inhaltsverzeichnis




Gute Laune: Warum sie nicht einfach da ist


Kennst du dieses Gefühl, wenn du morgens aufwachst und noch bevor der erste Kaffee fertig ist, schon weißt: Heute wird kein leichter Tag? Die Stimmung hängt wie eine graue Wolke über dir. Du fragst dich, ob andere Menschen einfach so mit einem Lächeln durch den Tag gehen, oder ob da etwas dahintersteckt, das du noch nicht kennst. Genau darum geht es hier. Nicht um aufgesetztes Grinsen, nicht um „Durchhalte-Parolen“, sondern um die echte Frage: Was brauche ich, um gut gelaunt zu sein?



Frau sitzt weinend auf einer Bank unter einer Regenwolke, während andere in der Sonne stehen, als Symbol für schlechte Laune und emotionale Isolation.

Und auch: Warum teilen wir schlechte Laune so viel leichter als gute? Warum wird Missmut manchmal Menschen förmlich vor die Füße gekippt, die gar nichts damit zu tun haben, während wir ein echtes, herzliches Lachen fast schon zurückhalten, als wäre es etwas Kostbares?


Henri Stendhal (1783–1842), französischer Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, brachte es auf den Punkt:


„Nichts ist so ansteckend wie schlechte Laune."

Schlechte Laune hat eine seltsame Schwerkraft. Sie zieht andere mit in die Tiefe. Vielleicht, weil sie nach Entlastung schreit. Und gute Laune? Die lebt einfach still in uns.



Gute Laune verbessern: Der Ratschlag von William James


William James (1842–1910), einer der Gründerväter der wissenschaftlichen Psychologie und einer der Wegbereiter der Positiven Psychologie, hat uns folgende Zeilen hinterlassen:


Um guter Laune zu werden, muss man sich vergnügt aufrichten, vergnügt um sich schauen und sich so verhalten, als wäre die gute Laune bereits da.

Auf den ersten Blick klingt das fast zu einfach, um wahr zu sein. Aber James meinte etwas Tieferes. Seine Kernthese war provokant für seine Zeit: Nicht die Emotion erzeugt die körperliche Reaktion, sondern die körperliche Haltung beeinflusst die Emotion. Ich weine nicht, weil ich traurig bin. Ich bin traurig, weil ich weine. Der Körper geht voran. Die Psyche folgt. Eine Sichtweise, die mich ehrlich gesagt zum Nachdenken bringt, denn sie steht dem, was ich selbst empfinde, ziemlich entgegen.



Gute Laune und Gedanken: Was James Allen 1903 erkannte


Zwei Menschen reichen sich die Hände, mit sichtbaren Gedanken im Kopf, als Symbol für emotionale Verbundenheit und gegenseitigen Einfluss.

Nahezu zeitgleich mit William James’ Forschungen erschien 1903 in England ein schmales Büchlein, das bis heute Bestand hat: „Wie der Mensch denkt, so lebt er“ von James Allen (1864–1912). Allen beschreibt darin, wie unsere innere Gedankenwelt unser äußeres Erleben formt, und dass wir selbst entscheiden können, was wir denken wollen.


Er nutzt dabei das Bild eines Gartens: Unsere Gedanken sind Samen. Wir können Unkraut wachsen lassen, oder bewusst säen, was wir ernten möchten.


Die Verbindung zu William James liegt auf der Hand: Wo James sagt, handle, als wäre die gute Laune da, also über Körper und Haltung, geht Allen einen Schritt tiefer und fragt: Was denkst du, bevor du handelst?


Beide Männer, beide um 1903, beide mit derselben Grundüberzeugung: Wir sind nicht Opfer unserer Stimmungen. Wir sind deren Gestalter.



Gute Laune fördern: Warum dein Umfeld so wichtig ist


Vielleicht kennst du diesen Satz: „Man ist so, wie die fünf Menschen, die einen umgeben.“ Der genaue Wortlaut stammt vom amerikanischen Motivationstrainer Jim Rohn (1930–2009):


„Du bist der Durchschnitt der fünf Menschen, mit denen du die meiste Zeit verbringst."

Das klingt zunächst hart. Muss ich jetzt mein Umfeld neu sortieren? Unbequeme Menschen aussortieren?


So einfach ist es nicht. Denn die Forderung, sich nur noch mit für einen selbst „besseren“ Menschen zu umgeben, führt in eine Sackgasse: Wer ist schon so selbstlos, immer derjenige zu sein, der andere nach oben zieht, ohne selbst etwas davon zu haben?


Frau sitzt allein unter einer Glaskuppel, umgeben von Schatten anderer Menschen, als Symbol für Abgrenzung und emotionale Ansteckung.

Was Rohn wirklich meinte, ist eine Einladung zur Bewusstheit: Schau hin, wer dich prägt. Gehe ich aus Begegnungen energiereicher oder erschöpfter heraus? Wer bringt das Beste in mir zum Vorschein, und wer die graue Wolke?


Die Wissenschaft gibt Rohn recht: Wir übernehmen unbewusst die Stimmungen, Haltungen und Gewohnheiten der Menschen, mit denen wir viel Zeit verbringen. Spiegelneuronen machen uns zu empfänglichen Resonanzkörpern für das, was uns umgibt. Das ist keine Schwäche, sondern unser soziales Wesen. Und es bedeutet: Wer gut gelaunt sein möchte, darf sich bewusst fragen, wer ihm gut tut.



Wenn schlechte Laune auf dich einprasselt: Strategien im Umgang mit anderen


Person mit Regenschirm unter dunklen Gewitterwolken als Symbol für schlechte Laune und den Wunsch nach innerem Schutz.

Schlechte Laune ist ansteckend. In der Psychologie spricht man von emotionaler Ansteckung: Wir übernehmen unbewusst die Stimmungen anderer.


Wie du dich schützt, ohne kalt zu wirken, und was dir in dem Moment hilft, wenn jemand seinen Frust ungefiltert an dir auslässt, das liest du im Artikel „Wenn schlechte Laune auf dich einprasselt: Strategien im Umgang mit anderen“ (Coming soon, Link folgt).



Der Gute-Laune-Zwang: Wenn Fröhlichkeit zur Last wird


Frau hält eine lächelnde Maske vor ihr Gesicht als Symbol für Toxic Positivity und den Zwang zur guten Laune.

In vielen Situationen entsteht ein subtiler Druck, gut gelaunt zu sein. Schlechte Laune gilt schnell als störend oder erklärungsbedürftig. Doch, darf ich nicht auch einfach mal schlechte Laune haben? Und wo ist die Grenze zwischen gesunder Haltung und „Toxic Positivity“? Darum geht es im Artikel „Der Gute-Laune-Zwang: Wenn Fröhlichkeit zur Last wird“ (Coming soon, Link folgt).



Positive Psychologie: Was wirklich die Stimmung hebt


Die „Positive Psychologie“, inspiriert von Vordenkern wie James und Allen und wissenschaftlich begründet von Forschern wie Martin Seligman (2009–heute), fragt nicht: Was ist falsch mit mir? Sie fragt: Was lässt mich aufblühen? Sein PERMA-Modell gilt dabei als eines der bekanntesten Konzepte der Positiven Psychologie. PERMA steht für Positive Emotionen, Engagement, Relationships, Meaning und Accomplishment. Mehr dazu folgt in einem eigenen Artikel. (Coming soon, Link folgt)


Viele der entscheidenden Faktoren haben wir tatsächlich in der Hand.


  • Körper und Bewegung

    • Wer sich regelmäßig bewegt, tut genau das, was William James ahnte: Er nutzt den Körper als Eingangstür zur Stimmung.

  • Schlaf und Erholung

    • Wer chronisch übermüdet ist, lebt emotional auf Messers Schneide. Gute Laune braucht einen erholten Geist als Fundament.

  • Sinn und Verbundenheit

    • Menschen blühen auf, wenn ihr Tun Bedeutung hat, und wenn sie echte Verbindungen zu anderen Menschen pflegen.

  • Dankbarkeit und Aufmerksamkeit 

    • Was wir wahrnehmen, formt unsere Stimmung. Wer übt, das Gute zu sehen, verändert langfristig seinen inneren Blickwinkel. Nicht durch Schönreden, sondern durch ehrliche Achtsamkeit.

  • Selbstmitgefühl

    • Wer sich selbst gegenüber dauerhaft hart und kritisch ist, erzeugt inneren Dauerstress. Freundlicher mit sich selbst umzugehen, ist keine Schwäche. Es ist eine Voraussetzung für echtes Wohlbefinden.



Gute Laune fördern: So kann es gehen


Zurück zu William James. Sein Ratschlag, sich so zu verhalten, als wäre die gute Laune bereits da, soll kein Aufruf zur Selbsttäuschung sein. Er ist für mich eher eine Einladung, sich auf dieses Experiment einzulassen.


  • Was passiert, wenn du heute Morgen bewusst aufrecht sitzt, bevor du in dein Smartphone schaust?

  • Was passiert, wenn du bei deinem ersten Gespräch des Tages wirklich präsent bist?

  • Was passiert, wenn du dir abends drei Dinge notierst, die heute gut waren, auch wenn dein Tag schwer war?


Keiner dieser drei Vorschläge ist eine Garantie für gute Laune, aber sie können dir eine Tür öffnen, um vielleicht einen anderen Blickwinkel einzunehmen.


Gute Laune ist selten ein Blitz aus heiterem Himmel. Sie ist das Ergebnis vieler kleiner Entscheidungen. Für Bewegung statt Stillstand, für Verbindung statt Rückzug, für Dankbarkeit statt Selbstvorwurf und manchmal auch für das bewusste Umgeben mit Menschen, die einem guttun.



Eine Einladung an dich


Wie wäre es, wenn du diese Woche ein kleines Experiment wagst, ganz im Sinne von William James?


Richte dich vergnügt auf. Schau vergnügt um dich und verhalte dich so, als wäre die gute Laune bereits da.


Die Schattenseiten des Lebens musst du deswegen nicht verleugnen oder kleinreden, gerade hat es im Außen davon reichlich. Doch du bist es wert, diesen Schattenseiten entgegenzutreten, dich abzugrenzen und dich um deine eigene Ausrichtung zu kümmern.


Ich freue mich auf deine Gedanken: Was hilft dir, in eine gute Stimmung zu kommen? ❤️


Lesetipp: James Allen: „Wie der Mensch denkt, so lebt er“ (1903)


Dieser Artikel ist als Begleittext zum Montagsfunkeln „Gute Laune“ vom 01.07.2024 entstanden.


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1 Kommentar


Stella
vor 3 Tagen

Vielen Dank für diesen tollen Artikel liebe Susanne, ich habe ihn mit großer Begeisterung und Interesse gelesen! Das Experiment werde ich auf jeden Fall durchführen und ich freue mich schon auf deine Tipps im nächsten Artikel zum Umgang mit anderen, das interessiert mich besonders.

Liebe Grüße

Stella

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