• Susanne Heinen

Die Seele baumeln lassen oder die Leichtigkeit des Nichtstuns



Wie schön das klingt, die Seele baumeln zu lassen und wie schwer es oft ist, genau das zu tun. Doch was bedeutet es überhaupt, woher kommt dieser Ausspruch? Die Seele baumeln lassen, Nichtstun, Faulenzen...darum geht es in diesem Artikel.



Lass doch mal die Seele baumeln...


Die ursprüngliche Bedeutung "die Seele baumeln lassen" wurde leider in den letzten Jahren durch unzählige Werbeinhalte schon in Richtung abgedroschene Phrase verschoben. Wie schade! Wenn bei jedem Angebot zu einem Wellness-Aufenthalt, einem Entspannungskurs oder Ratgeber in großen Buchstaben die Seele zum Baumeln eingeladen wird, ist es klar, dass das langsam keiner mehr hören mag. Außer mir:-).


Der Ausspruch in leicht anderer Form entstammt vermutlich dem Roman "Schloss Gripsholm" von Kurt Tucholsky aus dem Jahr 1931.


„Wir lagen auf der Wiese und baumelten mit der Seele.“

Kurt Tucholsky


Es ist natürlich von der Auslegung her ein kleiner Unterschied zwischen "ich baumle mit der Seele" oder "die Seele baumeln lassen". Doch das ist Haarspalterei, denn eigentlich geht es hier um die Bilderwelten vor deinem inneren Auge, wenn du daran denkst, was das schönste Nichtstun für dich wäre.



Ausflug in die Kindheit


Vielleicht kannst du dich an deine Kindheit erinnern, als die großen Sommerferien sich noch unendlich lang angefühlt haben. Die Tage waren erfüllt von Sonne, Hitze, dem Zirpen der Grillen. Vielleicht warst du draußen spielen und hast dir fast die Fußsohlen verbrannt, als du barfuß auf dem heißen Asphalt gelaufen bist. Langsam krochen die Zeiger der Uhr über den Tag. Es gab Nichts zu tun, außer sich ein neues Spiel zu überlegen oder sich vielleicht im kleinen Supermarkt mit dem Fahrrad ein Eis am Stiel zu holen. Die Eissorten meiner Kindheit hießen Capri, Dolomiti, Flutschfinger, Brauner Bär...musste man da nicht einfach gute Laune haben? Wenn man mit seinen Freunden am Bordstein sitzt und das Eis in der Hand, dieser Moment das Größte ist. Wo sind sie hin, diese Tage und warum ist es so schwer, sich diese auch im normalen Alltag zu gönnen, wenn man schon längst groß, erwachsen ist?



Nichtstun und einfach "Sein"


Ich lade Dich ein zu einem kleinen Ausflug. Ohne Auto, einfach zu Fuß oder Fahrrad losgehen/losfahren. Ohne Ziel, einfach herumstromern wie früher. Die Chance jetzt einen Spielkameraden zu treffen, so wie das früher war, sobald man einen Fuß vor die Tür gesetzt hat, ist natürlich gering, aber auch alleine macht es Spaß:-).


Wo führt er hin, der Weg, wenn man gar kein Ziel hat? Vielleicht in einen Park, ein kleines Wäldchen, einen Feldweg. Du hörst die Vögel, das Rauschen der Blätter und weil dich alles interessiert, findest du sicher einen schönen Stock, einen Stein, eine Blume, ein Blatt und schon trägst du etwas in deiner Hand. Alles ist ein kleiner Schatz, wenn man die Welt mit Kinderaugen sieht. Wenn du magst, kannst du dich auch gerne auf eine Wiese legen oder auf einem Stein, einer Bank sitzen, als spielt Zeit keine Rolle.


Wer weiß, was es alles zu sehen gibt, wenn man neugierig um sich blickt? Eine Schnecke, die sich langsam durch die Gräser schiebt. Einen Vogel, der laut für dich singt. Einen Käfer, der über deine Füße läuft. Es gibt so viel zu sehen und dabei nichts zu tun. Sich einfach einlassen auf den Moment, ohne Kopfhörer im Ohr, Handy in der Hand, Termine im Blick. Wäre das schön?


Und vielleicht meinte Kurt Tucholsky ja genau das...Das Liegen im duftenden Gras, die Wärme der Sonne, die Wolken treiben dahin. Man ist ganz eins mit dem Augenblick und die Seele baumelt dahin.


"Der gegenwärtige Augenblick ist stets voll unendlicher Schätze."

Jean Pierre de Caussade S. J. (1675 - 1751)



Ich wünsche dir viel Spaß mit deinem Augenblick und falls du mir berichten willst, was du für tolle Fundstücke mit nach Hause getragen hast, freue ich mich über einen Kommentar von dir.

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