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„Alles liegt bereits in dir“: Coaching, Counseling und Therapie im Vergleich

Aquarellbild in warmen Erd- und Blautönen mit drei übereinanderliegenden Ebenen: oben ein Kompass, in der Mitte eine junge Pflanze, unten ein Baum mit weitverzweigten Wurzeln.

„Alles liegt bereits in dir.“


Kaum ein Satz taucht im Coaching und in der Beratung so häufig auf wie dieser. Er klingt ermutigend, wertschätzend und stärkend. Und manchmal ärgert es mich sehr, wie dieser vom Prinzip her wohlgemeinte Satz zur Phrase verkommen ist. Denn viel zu oft ist er zur Standardformel geworden, zur freundlichen Begleitmusik von Zielen, Plänen und nächsten Schritten. Manchmal stimmt er, manchmal klingt er aber auch nach Manifestationsblase, als würdest du nur noch ein bisschen mehr wollen müssen, als wäre das Potenzial schon da, und du wärst bisher einfach zu träge gewesen, es zu nutzen.

Viele Menschen kommen nicht in eine Beratung, weil ihnen ein Ziel fehlt. Sie kommen, weil sie sich selbst nicht mehr spüren. Weil etwas verloren gegangen ist, das sich weder benennen noch in einen Plan übersetzen lässt. Trotzdem begegnen ihnen oft dieselben Fragen: Was möchtest du erreichen? Wo willst du hin? Gute Fragen, aber nicht immer die richtigen zu jedem Zeitpunkt.


In diesem Artikel schaue ich genauer hin: Was unterscheidet Coaching, Counseling und Therapie, und was macht meine Arbeitsweise im artCounseling aus?



Inhaltsverzeichnis:




Coaching: der Blick nach vorne


Kompass: Der Blick nach vorne.

Coaching setzt an, wenn du weißt, wohin du willst, und jemanden brauchst, der dir hilft, den Weg dorthin zu finden. Es arbeitet mit deinen Stärken, deinen Zielen. Es fragt: Was möchtest du erreichen? Wo stehst du gerade? Was braucht es, um diesen Schritt zu machen?


→ Coaching ist zukunftsorientiert.


Doch es gibt Momente im Leben, in denen diese Fragen sich anfühlen wie die falschen. Wenn du gar nicht weißt, wohin du willst. Wenn du dich verloren hast, weil irgendwo auf dem Weg die Verbindung zu dir selbst abgebrochen ist. Wenn das Gefühl, das dich begleitet, für dich nicht greifbar ist und sich auch nicht in ein Ziel übersetzen lässt. In solchen Momenten braucht es etwas anderes als Optimierung. Bevor ich zu diesen Alternativen komme, noch ein wichtiger Hinweis: Coaching ist kein geschützter Begriff. Entsprechend unterschiedlich sind die Ausbildungen und Qualifikationen der Menschen, die als Coach arbeiten.


Eine fundierte Coaching-Ausbildung lässt sich oft daran erkennen, dass sie über einen längeren Zeitraum angelegt ist, methodisch begründet arbeitet und durch einen Berufsverband oder ein etabliertes Institut getragen wird. Transparenz über Inhalte, Dauer und Grundlagen ist dabei ein gutes Zeichen. Wochenendformate einer Coaching-Ausbildung vermitteln Impulse, selten aber eine tragfähige professionelle Grundlage.



Counseling: der Blick auf das, was schon da ist


Pflanze: Was schon da ist und wachsen will.

Mein Berufsverband, der BVPPT, beschreibt Counseling als eine Beratungsform, die ihren Blick bewusst auf das richtet, was in einem Menschen bereits vorhanden ist, nicht auf das, was fehlt.


→ Counseling ist gegenwartsorientiert.


Das klingt vielleicht nach einer kleinen Nuance. Aber es verändert alles: die Art, wie ich zuhöre, was ich frage, was ich als Problem betrachte und was als Teil von dir einfach da sein darf. Counseling arbeitet von der Gegenwart aus und bezieht dabei die Erfahrungen mit ein, die einen Menschen geprägt haben.


Im Counseling meint der Ausspruch „Alles liegt bereits in dir“ deshalb keine Aufforderung. Er meint keine versteckte Kritik daran, dass du dein Potenzial bisher nicht ausgeschöpft hättest. Er ist keine motivierende Schulterklopferei. Er meint: Du bist bereits ganz. Auch jetzt, auch mit dem, was schwer ist, was unfertig ist, was du vielleicht lieber nicht in dir tragen würdest. Die Arbeit besteht nicht darin, etwas aus dir herauszuholen, das du noch nicht hattest. Sie besteht darin, wieder in Kontakt zu kommen mit dem, was schon da ist.



Was genau die pädagogisch-therapeutische Beratung bedeutet und woher dieser Ansatz aus der Humanistischen Psychologie kommt, beschreibe ich ausführlicher in meinem Artikel: „Was ist artCounseling?“


„Kunsttherapie ist der Seele dienend angewandte Kunst."

 Dr. Klaus Lumma




Therapie: eine andere Tiefe, ein anderer Auftrag


Baum: Was Halt braucht, um sich zu tragen.

Es gibt Probleme, die sich nicht einfach nur begleiten lassen. Erlebnisse, die sich ins Nervensystem eingeschrieben haben. Verluste, die das Fundament erschüttert haben. Zustände, in denen das Erleben selbst zum Problem wird, weil etwas Grundlegenderes aus dem Gleichgewicht geraten ist. Dafür ist Therapie da.


→ Therapie ist stabilisierungsorientiert.


Therapie ist nicht dort angesiedelt, wo es um Ziele oder Entwicklungsschritte im Alltag geht, sondern dort, wo das innere Gleichgewicht ins Wanken geraten ist. Sie richtet sich auf psychische Belastungen, Symptome und seelische Verletzungen, die das Leben spürbar einschränken.


Psychotherapie arbeitet in einer anderen Tiefe und mit einem anderen Auftrag. Sie behandelt im wörtlichsten Sinne und bewegt sich in einem diagnostischen und klinischen Rahmen, den weder Coaching noch Counseling ersetzen können und auch nicht ersetzen dürfen.

Wer unter einer psychischen Erkrankung leidet, wer mit den Folgen traumatischer Erfahrungen lebt, wer merkt, dass die eigene Handlungsfähigkeit ins Wanken geraten ist, der braucht genau diesen Raum. Therapie arbeitet mit dem, was aus dem Gleichgewicht geraten ist, was überfordert, was sich nicht mehr allein regulieren lässt. Dabei geht es um Einordnung, Entlastung und Wiederherstellung von psychischer Stabilität.


Therapie ist kein Zeichen von Schwäche. Sie ist ein Zeichen dafür, dass du weißt, was du brauchst und gut für dich sorgst.

Counseling im Vergleich zu Coaching und Therapie


Counseling setzt dort an, wo Menschen grundsätzlich handlungsfähig sind, aber sich in einer Phase befinden, in der sie sich selbst aus den Augen verloren haben. Die Grenze ist nicht immer scharf, und manchmal laufen Counseling und therapeutische Begleitung auch parallel.


Gerade deshalb ist die Abgrenzung wichtig und auch die ehrliche Frage: Was brauche ich gerade wirklich? Manchmal hilft es, die Unterschiede noch einmal nebeneinander zu sehen.


Zur Orientierung lässt sich das so zusammenfassen:


Schaubild: Coaching – Counseling – Therapie im Vergleich, © Susanne Heinen
Schaubild: Coaching – Counseling – Therapie im Vergleich, © Susanne Heinen

Wenn man diese drei Bereiche nebeneinander sieht, wird etwas deutlich: Sie beschreiben unterschiedliche Zugänge, aber sie berühren sich dort, wo es um den Menschen selbst geht. Und genau dort zeigt sich manchmal, dass Sprache allein nicht ausreicht. Davon handelt der nächste Abschnitt.



Warum ich mit Methoden der Kunst- und Gestaltungstherapie arbeite


Im artCounseling, der Fachrichtung, die ich am Institut für Humanistische Psychologie (IHP) erlernt habe, kommt etwas hinzu, das ich schon lange gespürt hatte, bevor ich einen Namen dafür fand: Es gibt Formen von innerem Erleben, die sich nicht vollständig in Sprache übersetzen lassen.


Schon als Kind habe ich gezeichnet und gemalt, geschrieben, gebastelt. Das kreative Arbeiten war einfach da, ein selbstverständlicher Teil davon, wie ich die Welt um mich herum verarbeitet habe. Später, im Textildesign-Studium, kam das Handwerk hinzu: Siebdruck, Handweberei, Flachstrick, Digitaldruck. Die Fülle an Techniken und eine Ausbildung in Designtheorie und Wahrnehmungslehre haben mir ein Gespür dafür gegeben, wie sich kreatives Arbeiten und innerer Ausdruck berühren.


Wirklich verstanden habe ich das erst in meinem Abschlussprojekt der Farbenlehre. Es hieß »Medium Schwarz, Medium Weiß«  und wurde zu mehr als einer Aufgabe für mich. Ich malte an die zwölf großformatige Bilder, spannte die Leinwände selbst im Garten, manche davon einen Meter breit und zwei Meter hoch (Bilder dieser Reihe folgen noch). Parallel untersuchte ich die Kulturgeschichte dieser beiden Farben, ihre Philosophie und ihre Symbolik. Irgendwann in diesem Prozess habe ich gemerkt, dass das, was auf der Leinwand entstand, nicht die Illustration meiner Gedanken war, es war meinen Gedanken voraus.


Dieses Erleben hat mich nicht losgelassen und ist einer der Gründe, warum ich heute so arbeite, wie ich arbeite. Das Bild, das entsteht, wenn du malst oder gestaltest, ist keine Illustration von etwas Gedachtem. Es ist selbst ein Erkenntnisweg. Was die Hand aufs Papier bringt, folgt einer anderen Logik als das, was der Kopf formulieren kann. Das Unbewusste, die innere Landschaft, wird sichtbar, und damit auf eine Weise zugänglich, die reine Gesprächsarbeit oft nicht erreicht.


Das hat nichts mit künstlerischer Leistung oder Begabung zu tun. Es geht darum, dass der kreative Prozess etwas freisetzt, das schon in dir war und manchmal seit sehr langer Zeit auf Ausdruck gewartet hat.



Was das für dich bedeuten kann

Wenn du irgendwann an einem Punkt bist, an dem du nicht weißt, was du eigentlich willst, oder das Gefühl hast, du funktionierst zwar, aber lebst irgendwie an dir vorbei, dann ist das vielleicht nicht der Moment für mehr Optimierung. Vielleicht ist es der Moment für eine andere Art von Begleitung. Eine, die dir Raum gibt, dich selbst wieder zu spüren und dich auf den Weg zu machen.


artCounseling ist dieser Raum, verbunden mit dem, was Farbe, Form und Bild können: dorthin führen, wo Worte noch keine Form gefunden haben und wo sich manchmal zeigt, was du längst weißt.

Coaching, Counseling, Therapie: Sie beginnen an unterschiedlichen Stellen und beschreiben unterschiedliche Zugänge. Nicht jeder Weg führt durch dieselbe Tür. Und manchmal ist es gerade der, der nicht über Worte führt, der etwas öffnet, das sich anders kaum erreichen lässt.

Wichtig ist, einen Weg zu finden, der sich für dich wirklich passend anfühlt. Vielleicht ist artCounseling dieser Weg.


Literaturtipp

Wenn du dich auf den Weg machen möchtest, gibt es ein Buch, das ich immer wieder gerne empfehle: „Der Weg des Künstlers“* von Julia Cameron. Es geht nicht um Kunst im klassischen Sinne, sondern darum, was passiert, wenn du anfängst, dich selbst durch kreatives Tun zu erkunden. * Die Buchempfehlung ist unbezahlte Werbung. Ich empfehle nur Bücher, die ich selbst kenne und für wertvoll halte.


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Rundes, buntes Logo mit dem Schriftzug „Mach deine Welt bunt“ von Susanne Heinen artCounseling.

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