• Susanne Heinen

Dein Baum des Lebens: Reflektiere und wachse grenzenlos



Bäume haben immer eine magische Anziehung auf mich ausgeübt. Besonders die alten, knorrigen Exemplare haben es mir angetan. Viele stehen schon Jahrhunderte am selben Ort, haben Menschen, Jahreszeiten, auch Kriege und Katastrophen kommen und gehen sehen. Wenn sie sprechen könnten, was würden sie mir erzählen? Das frage ich ich mich oft. In diesem Artikel geht es um einen speziellen Baum, deinen gezeichneten Lebensbaum und wie du ihn nutzen kannst, um über dein Leben zu reflektieren.

Die Arbeit mit dem Baum des Lebens im artCounseling


Um den Einstieg in das Thema zu erleichtern, arbeite ich zu Beginn meist mit einer strukturierten Vorgabe, ähnlich einem Arbeitsblatt. Dort ist bereits eine einfache Baumskizze zu sehen und eine Unterteilung in Wurzeln, Stamm und Krone.


Das kann man im übertragenen Sinn mit der Vergangenheit, dem Jetzt und der Zukunft gleichsetzen.


  • Wurzeln: wo komme ich her, wo sind meine Wurzeln, wie tief gehen meine Wurzeln, habe ich starke Wurzeln, wie sind meine Wurzeln verzweigt...

  • Stamm: wo stehe ich jetzt, ist mein Stamm stabil, stehe ich fest im Boden, habe ich eine ebenmäßige Rinde oder Narben, ist mein Stamm dünn oder dick, habe ich einen Stamm oder teilt sich mein Stamm sogar...

  • Krone: wo will ich hin, habe ich Äste, die sich in den Himmel strecken, wachse ich in die Höhe oder in die Breite, tragen meine Äste Blätter oder Früchte, sitzen dort Vögel oder andere Tiere als Besucher...


Baum des Lebens, Arbeitsblatt

Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen ist gewollt einfach gehalten. Die im ersten Augenblick losgelöste Betrachtung von deiner Person und das symbolhafte Denken über das Aussehen oder die Beschaffenheit deines Baumes, setzen viele klare Bilder frei. Die losen Gedanken werden einfach handschriftlich in die Lücken eingetragen.


Ich beobachte meist zwei völlig unterschiedliche Herangehensweisen. Die einen gehen sehr nüchtern an des Thema heran, füllen das Blatt wie ein Arbeitsblatt aus.


Die anderen sind schon in dieser ersten Begegnung mit der Thematik damit beschäftigt, den neutralen Baum zu verändern und ergänzen Details, z. B. mehr Wurzeln, einen dickeren Stamm, eine fülligere Krone oder geben den Baum Farbe. Ganz egal, wie dein Einstieg ist, alles ist richtig, da es sich um dich und deinen Lebensbaum handelt.


Was auch ein wichtiger Punkt ist, wo steht er denn, dein Baum des Lebens? Ist er am richtigen Ort, fühlt er sich wohl? Unabhängig davon, ob du jünger oder älter bist, das Sprichwort "Alte Bäume soll man nicht verpflanzen" spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle. Es geht um die fiktive Fragestellung zu deinem Mittelpunkt des Lebens oder deinem Wohlfühlort.



Dein Baum des Lebens, was sagt er dir?


"Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen", so beginnt das Gedicht von Rainer Maria Rilke. Auch bei der weiteren künstlerischen Arbeit mit dem Baum des Lebens geht um dein Wachstum, deine wachsenden Jahresringe und nicht darum, einen perfekten Baum zu zeichnen oder zu malen.

Diese Vorbehalte höre ich meist, wenn ich diese Methode vorstelle. Die Beschäftigung und das Nachdenken über Größe, Proportionen, Wurzeln, Stamm, Äste, und Früchte ist viel wichtiger, als ein perfektes Kunstwerk zu gestalten. Du kannst den Baum auch einfach als Skizze anlegen, völlig unausgearbeitet mit Bleistift oder auch mit einem Kugelschreiber. Doch vielleicht merkst du, wie viel Freude es dir macht, dich mit dem Aussehen deines Baumes zu beschäftigen und gibst ihm besondere Farben oder Maserungen. Die kreative Beschäftigung und Umsetzung deiner Überlegungen lassen oftmals noch neue Sichtweisen zu und lassen dich klarer werden.


Hier siehst du ein Bild meines Baumes als schnelles Resonanzbild mit Acryl und Kleister.


In diesem Blogbeitrag habe ich einen kleinen Einblick in die Arbeit mit dem Baum des Lebens im artCounseling gegeben. Dieses Thema ist Teil meines Workshops "Finde deinen Lebensfaden".



Zum Abschluss noch ein Gedicht von Heinrich Leberecht Fleischer über das in den Himmel wachsen:



Junger Baum Die Sonne küßte seine Zweige, Ihm wurde wunderlich zu Mut. Die Winde sagen: Neige, neige, Neig dich zur Erde, junges Blut. Er aber bog mit schlichter Geste Wie hundert Arme sonnenwärts Die lichtverhärmten nackten Äste Und zog den Himmel an sein Herz.


Heinrich Leberecht Fleischer (1801 - 1888)



Ich würde mich freuen, wenn ich dich mit dem Beitrag neugierig gemacht habe und vielleicht dazu inspirieren kann, auch einmal deinen Baum des Lebens zu zeichnen/malen.


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