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Wertvolle Verbindung in einer vernetzten Welt: Die Relevanz echter Verbundenheit


In den letzten Jahren hat sich die Art miteinander in Verbindung zu treten durch den rasanten technischen Wandel sehr verändert. Die Welt ist plötzlich sehr klein geworden und man kann Kontakte über riesige Entfernungen ohne Probleme aufbauen und auch pflegen.

Problem dabei ist die wachsende Anonymität und somit auch die Austauschbarkeit von Kontakten. Wir haben Zugriff auf einen schier überbordende Fülle an Möglichkeiten der Vernetzung, die uns in Bruchteilen von Sekunden miteinander verbindet. Bald wissen wir vielleicht auch nicht mehr, ob sich am anderen Ende ein KI-Bot befindet, mit dem wir uns austauschen oder ein "echter" Mensch.


Das ist das Türchen 6 von meinem Blog Adventskalender 2023. In diesem Beitrag geht es um die Frage, wie aus Verbindung in einer vernetzten Welt eine echte Verbundenheit entstehen kann.






Einsamkeit trotz voller Freundesliste


Ich bin noch zu einer Zeit aufgewachsen, wo es das Größte war, wenn man in der Schule bei einem Projekt mitmachen konnte, das zu einer Brieffreundschaft im Ausland geführt hat. Natürlich passend zu der Fremdsprache, die man gelernt hat :-). Die Auswahl der Brieffreunde erfolgte kompliziert über Listen, die der Klassenlehrer mit einer Partnerschule im Ausland erstellt hatte. Auf gut Glück wählte man anhand der Hobbys jemand aus. Wochen vergingen, bis die Briefe hin- und hergesendet waren. Sogar extra Luftpost-Briefmarken wurden aufgeklebt. Es war spannend, jeden Tag nach der Schule im Briefkasten zu schauen, ob endlich ein Brief da ist.

Undenkbar heute und wenn ich das jetzt so lese, komme ich mir ein bisschen vor, wie aus der Zeit gefallen. Wie anders ist das jetzt und ich bin immer hin- und hergerissen zwischen der nostalgischen Verklärung und dem Nutzen der neusten Technik.

Denn die scheinbare Unendlichkeit der technologischen Verbindungsmöglichkeiten hat uns einerseits zwar näher zusammengebracht, andererseits aber auch neue Herausforderungen geschaffen.


Trotz der sofortigen Kommunikation, der Videoanrufe und der sozialen Netzwerke fühlen sich viele Menschen zunehmend isoliert und allein. Was sagt eine hohe Zahl an Freunden bei Facebook und Co eigentlich aus?


Die Zeiten der Brieffreundschaften mögen nostalgisch wirken, doch sie hatten etwas Besonderes. Jeder Brief war wie ein Schatz, der durch lange Entfernungen gereist war und eine Geschichte aus einer anderen Welt erzählte. Heute können wir mit einem Klick mit Menschen auf der ganzen Welt verbunden sein, aber manchmal scheint diese unmittelbare Verbindung oberflächlich zu bleiben.


Wir leben jetzt in einer Zeit, in der die ständige Verfügbarkeit von Kommunikation oft paradoxerweise zu einer gewissen Distanz führt. Wir sind zwar virtuell verbunden, aber die Tiefe und Authentizität dieser Verbindungen bleiben manchmal auf der Strecke. Die Flut an Informationen, der Druck, ständig erreichbar zu sein und die Oberflächlichkeit mancher Online-Interaktionen können dazu führen, dass wir uns innerlich allein fühlen.



Gedicht "Der Briefschreiber" von Hugo Salus


Dazu habe ich ein nachdenkliches Gedicht gefunden, geschrieben zu einer Zeit, in der nicht einmal im Traum daran zu denken war, was heute möglich ist. Dennoch kann ich mit dem Schreiber mitfühlen, auch wenn fast 100 Jahre vergangen sind: Die Welt schreibt uns nämlich nach wie vor nicht zurück, dafür braucht es eine echte Verbundenheit zwischen Empfänger und Absender.



Der Briefschreiber


Hab' viele Brief' in die Welt geschickt,

Welt sollt' Antwort schreiben!

Es gibt solche Leute, die glauben daran,

Dass man Liebe und Freundschaft erschreiben kann!

Welt lässt es bleiben!


Hab' in die Briefe mein Herz gelegt:

Kann nimmer einsam bleiben!

Es wird doch noch jemand sein in der Welt,

Der sein Einsamsein auch zum Tausche hält,

Der wird mir schreiben!


Hab' so viel Brief' in die Welt geschickt!

Welt will nicht Antwort schreiben!

Schau' immer und immer nach Antwort aus:

Wie leer ist mein Haus! Wie schwer ist mein Haus!

Muss einsam bleiben…


Hugo Salus (1866 - 1929)



Zurück in die Vergangenheit: Ein handschriftlicher Gruß


Vielleicht ist es an der Zeit, nicht nur darauf zu achten, wie wir uns miteinander verbinden, sondern auch darauf, wie wir diese Verbindungen vertiefen und echte zwischenmenschliche Beziehungen pflegen können. Es geht nicht nur darum, verbunden zu sein, sondern auch darum, tiefe, erfüllende Verbindungen zu schaffen, die uns wirklich bereichern und unterstützen. Doch was macht eigentlich den Unterschied zwischen der Art der Kommunikation noch in den 1980er Jahren im Vergleich zu heute?


Es ist die Langsamkeit. Die Langsamkeit, die darin steckt, erst einmal loszugehen und in einem Schreibwarengeschäft ein schönes Briefpapier oder eine Karte auszusuchen. Vielleicht bilde ich mir auch noch ein, ich müsste unbedingt in einer besonderen Farbe schreiben oder mit Füller mit einer farbigen Tinte. In diesem Moment beschäftige ich mich schon intensiv mit der Person, der ich schreiben möchte. Ich treffe eine schöne Wahl, die gefallen und Freude bereiten soll. Zuhause angekommen, bereite ich mir einen guten Schreibplatz vor und lege mein Papier oder die Karte zurecht. Wie möchte ich beginnen, was möchte ich erzählen? Wenn ich dann schreibe, achte ich auf meine Handschrift. Sie soll persönlich sein, meine Handschrift sein, aber auch sauber und leserlich. Ich bemühe mich und so entsteht das Schriftstück, das ich im Anschluss noch zum Briefkasten bringe oder zur Post, um eine Briefmarke zu kaufen.


Weihnachtspost auf die "alte Art" :-)

Das alles sind bewusste Schritte, die zeigen, dass mir diese Verbindung wertvoll ist und ich bereit bin, Zeit und Mühe zu investieren, um sie aufrechtzuerhalten.


Die Wertschätzung eines handgeschriebenen Schriftstücks liegt in so vielen Schritten und genau das strömt dem Empfänger förmlich beim Erhalt der Post entgegen. Schreibst du noch Briefe oder Karten von Hand? Falls nicht, möchte ich dich ermutigen, es einmal auf "die alte Art" auszuprobieren.




  • Schau zurück: Vielleicht hast du wie ich eine Schachtel mit all den alten Briefen, Grußkarten, Postkarten von deiner Jugend an? Vielleicht stöberst du darin und findest Menschen wieder, mit denen du einst verbunden warst. Wäre da jemand, dem du gerne ein paar Zeilen per Post senden möchtest?


  • Schau ins Jetzt und Heute: Gibt es jemanden, dem du gerne persönlich von Hand schreiben möchtest? Familienmitglieder und Freunde, die sich über mit Liebe geschriebene Karten und Briefe freuen würden?


  • Schau ins Morgen: Vielleicht gibt es jemanden, mit dem du dich näher verbunden fühlen möchtest? Jemanden, der bislang nur in deinem äußeren Bekanntenkreis ist, wo du aber spürst, das passt, ihr seid auf einer Wellenlänge?


"Schreib mal wieder", war früher der Slogan, den vielleicht noch die Älteren kennen :-).

Mit diesem Beitrag möchte ich dich ermutigen, mit deinem schönsten Stift in der schönsten Farbe, auf einem tollen Papier, einer schönen Karte mit deiner dir eigenen Handschrift ein paar Weihnachtsgrüße zu senden.


Verbindung schafft Verbundenheit. Im ersten Schritt ist es gar nicht wichtig, auf welche Art wir uns melden und den Kontakt halten. Hauptsache, wir versuchen, ihn überhaupt zu halten, was manchmal schon schwer genug ist. Doch vielleicht ist die Verknappung der Nachrichten und die unpersönliche Gestaltung der Punkt, der uns Nähe vermissen lässt? Vielleicht braucht es dazu mehr, als WhatsApp, einen Sammelgruß an alle in eine Gruppe oder eine Email? Vielleicht ist es ja ein kleines Stück von uns und unserer Wertschätzung, das mit "echter Post" auf die Reise geht?




Ich schreibe dir einen langen Brief,

weil ich keine Zeit habe,

einen kurzen zu schreiben.

Blaise Pascal (1623 - 1662)


 

Dies war ein Blogbeitrag im Rahmen des Blog-Adventskalenders 2023.


24 magische Tage voller inspirierender Geschichten, kreativer Ideen und festlicher Stimmung.


Eine Übersicht aller Türchen findest du in meinem Blogbeitrag "24 Tage im Advent: Rückblick zum Blog Adventskalender 2023".

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3 commentaires


Silke Geissen
Silke Geissen
08 déc. 2023

Liebe Susanne, ich habe es auch geliebt, das Schreiben und hatte französische Brieffreunde. Während einer Krankenhaus- und Reha-Maßnahme habe ich dank meiner Vernetzung in einem Frauenforum einen ganzen Karton voller Briefe und Karten bekommen. Jeden Tag hatte ich etwas in meinem Fach, das war so wundervoll, dass ich bestimmt auch dadurch wieder richtig auf die Beine gekommen bin. Gerade gestern habe ich Postkarten gekauft und mir überlegt, wer jede bekommen soll. Es ist, wie du sagst, schon in dem Moment beginnt die Verbindung. Schreiben tue ich mit meinem Montblanc-Füller und mit blauer Tinte, ganz schlicht. Dieses Jahr fielen mir ein paar Weihnachtsstempel in den Einkaufskorb. Mal sehen, was ich daraus mache. Ich mag persönliche Verbindungen auch total gern. Wir brauchen sie…

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Umani W.
Umani W.
06 déc. 2023

Liebe Susanne, so wundervoll beschrieben, wie es damals war. Auch ich war in der Schulzeit Briefeschreiberin und bin ich es bis heute geblieben. Dieses Innehalten, sich schreibend auf jemanden einlassen, ist etwas Besonderes. Auch wenn es bei mir zunehmend manchmal nur eine Postkarte ist, sie fällt immer auf zwischen den Rechnungsbriefen. Ich liebe es, damit zu überraschen oder überrascht zu werden. Mögen sich die Briefkästen wieder mehr mit solch schönen Herzensüberraschungen füllen. Alles Liebe dir, Umani

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Susanne Heinen
Susanne Heinen
07 déc. 2023
En réponse à

Liebe Umani,

das wünsche ich mir auch, dass sich die Briefkästen wieder mehr füllen. Es ist aber anscheinend nicht mehr so sehr in den Köpfen, dieses "sich schreiben". Doch solange es noch Postkarten, Grußkarten und Briefpapier zu kaufen gibt, habe ich die Hoffnung, dass mancher doch hin und wieder zum Stift greift :-).

Liebe Grüße und alles Liebe zurück😘, Susanne

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