Zwischenräume: Wie können wir Verbindungen knüpfen?

In diesem Jahr habe ich sehr früh mit der Planung des Blog-Adventskalenders begonnen, der 2026 nun schon zum vierten Mal an den Start geht. Mit den Jahren ist der organisatorische Aufwand immer größer geworden, und somit ist eine gute Vorbereitung alles. :-)
Seit dem ersten Kalender zieht sich ein Oberthema durch die Artikel: 2023 war es „Verbindung“, 2024 ging es eher unausgesprochen um Licht und Zuversicht und 2025 stand die „Nähe“ im Mittelpunkt.
Ich habe das Thema immer intuitiv aus meinem Jahresempfinden gewählt, aus eigenem Erleben und auch aus dem, was mir von außen in Gesprächen herangetragen wurde. So war es auch in diesem Jahr, und in diesem Artikel möchte ich dich in meine Gedankenwelt mitnehmen, die mich zum Thema „Zwischenräume“ geführt hat.
Inhalt
Eine Zeit im Umbruch
Ich empfinde die Zeit, in der wir gerade leben, als eine Art Zwischenraum. Ich fühle die gesellschaftlichen Umbrüche und auch, dass wir uns als Menschen vermutlich neu definieren müssen. Wir sind in den vergangenen zwei Jahren sehr schnell in einen Strudel neuer technischer Möglichkeiten gerutscht, wohl viel schneller als bei früheren Innovationen, etwa beim Übergang vom Festnetz zum Handy oder vom Computer zum Internet. Künstliche Intelligenz, digitale Räume und weltweite Vernetzung verändern unsere Möglichkeiten ebenso wie unseren Alltag und unser Miteinander.
Die Welt ist für uns alle plötzlich sehr klein geworden. Verbindung ist unabhängig von Sprache, Zeitzonen und Ländergrenzen möglich, und das empfinde ich als Bereicherung. Menschen, die weit voneinander entfernt leben, können sich begegnen, Gedanken teilen, gemeinsam arbeiten und Freundschaften pflegen.
Gleichzeitig frage ich mich, wie wir mit unserer jüngeren Generation in Verbindung bleiben, die sich ihr soziales Leben ganz anders aufbaut, als wir es kennengelernt haben. Für sie gehören digitale Begegnungen von Anfang an selbstverständlich dazu. Bei vielen beobachte ich auch Rückzug und Vereinzelung. Ich merke, wie viel Kraft es kostet, sich vom digitalen Festhalten jedes Lebensmoments zu lösen und ohne Smartphone an einer Sache zu bleiben, mit eigenen Gedanken, eigener Sprache und eigenem Ausdruck, ohne eine KI zu bemühen. Ist diese Hürde genommen, erlebe ich, wie wertvoll diese entschleunigte Zeit im Miteinander sein kann.
Wahrscheinlich kennst du beides aus deinem eigenen Leben, die Bereicherung und den Verlust.
Zwischen analogem Wissen und digitaler Welt
Warum treibt mich gerade dieses Thema so um? Als Textildesignerin fühle ich mich seit ein, zwei Jahren wie ein Relikt aus der analogen Zeit. Ich weiß, wie wichtig es ist, etwas mit den Händen zu erschaffen und von der Pike auf zu erlernen: das Malen, das Zeichnen, das Entwerfen, das Drucken und Weben, und auch das Scheitern, Neuanfangen und Probieren. Während meines Studiums Mitte bis Ende der 1990er Jahre gab es technische Hilfsmittel nur rudimentär, Photoshop, CorelDRAW und CAD-Programme steckten in den Kinderschuhen, und es gab keinen Output auf Knopfdruck.

Das ganze Studium über hatte ich im Drucklabor mit Siebdruck experimentiert, wo es darum ging, möglichst klare Bildvorlagen zu entwerfen, um wiederum klare Druckschablonen zu erhalten.
Woran ich mich noch lebhaft erinnere, ist meine Abschlussarbeit im Fach Textildruck kurz vor der Diplomarbeit. Damals entwickelte sich gerade der Digitaldruck, und digital auf Stoff zu drucken, war eine absolute Innovation. Das war unglaublich teuer, und ich musste mich auf kleine Experimente beschränken.
Nach all den Jahren mit Sieb und Schablone war der Digitaldruck wie eine Wunderkiste für mich.
Heute erlebe ich erneut einen solchen Umbruch, nur in einer ganz anderen Dimension. Die neue Art, mit KI gestalterisch zu arbeiten, verändert das gesamte Berufsfeld von Designer*innen, Künstler*innen und Kreativen.
In diesem Wandel sehe ich mich in meiner eigenen Arbeitsweise als Pionierin, die versucht, das analoge Wissen auf eine für mich gute Art mit dem Digitalen zu verbinden. Dabei interessiere ich mich sehr für neue Programme und Möglichkeiten. Ich nutze sie mit Neugier und zugleich mit Bedacht, als Werkzeuge, die mein handwerkliches Wissen ergänzen können. Die Skepsis vieler Menschen kann ich gut verstehen, an manchen Stellen teile ich sie selbst.
Ich spüre, dass all das Wissen, das ich mir durch jahrelange Versuche und jahrelanges Lernen angeeignet habe, verblassen könnte. Schon jetzt erlebe ich aber eine Art Rückverbindung zu dieser analogen Welt, weil viele Kreative den Versuch unternehmen, diese Fähigkeiten zu bewahren. Vielen ist die Reichweite der neuen Möglichkeiten noch gar nicht bewusst. Mich erfüllt sie mit Staunen und auch mit Sorge.
Meine Wurzeln liegen im Textildesign, heute fließt all mein gestalterisches Wissen in meine Arbeit als Counselor für Kunst- und Gestaltungstherapie ein. Dort geht es für mich um menschlichen Austausch, um Empathie und Verbindung. Gehe ich in der Zeit zurück, lese ich die alten Philosophen und beschäftige mich mit Ethik und Menschlichkeit, kann ich Wahrheiten spüren, die sehr kluge Köpfe schon vor Jahrhunderten gedacht haben. Dennoch erlebe ich einen harten Bruch im Interesse an diesen Themen. Um es überspitzt auszudrücken: Zwischen Streaming und Lebenshustle bleibt kaum noch Raum für diese Dinge.
Der Zwischenraum als Besinnungsraum
Ich sehe uns jetzt, Ende 2026, mitten in einem Zwischenraum, zwischen dem, was wir kennen, und dem, was gerade entsteht, zwischen Nähe und Distanz, zwischen Verbundenheit und Vereinzelung. Letztlich ist dieser Zwischenraum ein Besinnungsraum, in dem wir überlegen können, welche Welt wir in den nächsten 50 Jahren gestalten wollen. Ich frage mich, was in diesem Zwischenraum mit uns geschieht. Was verlieren wir, was gewinnen wir, und welche Formen von Verbindung müssen wir neu lernen?
Der Advent ist selbst eine Zeit dazwischen, eine Zeit des Wartens und Innehaltens, bevor das Jahr zu Ende geht. In den kommenden Wochen möchte ich diesen Zwischenraum erkunden und dabei einer Frage nachgehen: Wie können wir als Menschen aneinander anknüpfen? Damit kehrt das Thema meines ersten Kalenders, die Verbindung, in neuer Form zurück.
Ich nähere mich dieser Frage mit unterschiedlichen Perspektiven, Gedanken und kreativen Zugängen, gemeinsam mit Menschen, die etwas dazu beitragen möchten. In den 24 Türchen erwarten dich Geschichten und Wissenswertes, kreative Impulse zum Selbermachen und die ganz persönlichen Beiträge meiner Gastautor*innen.
Verbindung beginnt für mich schon dort, wo wir den Zwischenraum wahrnehmen, ihn aushalten und neugierig darauf schauen, was darin entstehen kann.
„Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“
Martin Buber (1878–1965), „Ich und Du“
Wo erlebst du gerade einen Zwischenraum? Schreib es mir gern per Mail oder in die Kommentare.
Gemeinsam durch die Zwischenräume
Der Blog-Adventskalender zum Thema „Zwischenräume“ startet am 1. Dezember 2026. Bis zum 24. Dezember kannst du jeden Tag ein neues Türchen öffnen und bis zum 31. Dezember auch immer wieder zu den vergangenen Türchen zurückkehren.
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Ich freue mich auf diese gemeinsame Zeit im Advent und auf alles, was in den Zwischenräumen entstehen darf.
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